
Peter W. Ragge – Mannheimer Morgen 18.01.2012
Er wirkte völlig fassungslos, verwundert, überwältigt: "So bejubelt zu werden - ein Wahnsinn", staunte Marco Wasner und atmete zugleich auf: "Ich bin froh, dass das Versteckspiel vorbei ist". Lange war es nämlich geheim gehalten worden - erst am späten Montagabend lüftete der Feuerio das Geheimnis, dass der 41-jährige Braumeister am kommenden Samstag beim "Weißen Ball" als Prinz Marco I. vom Eichbaum inthronisiert wird.
Welten prallen aufeinander
Doch zuvor sieht die fasnachtliche Tradition die sogenannte "Prinzensuche" vor. Zu dieser nächtlichen Gaudi trifft sich eine immer größer werdende, diesmal über 130 Mann starke, so Feuerio-Präsident Bodo Tschierschke, "honorige Mannheimer Runde". Sie startet erstmals sogar mit drei Reisebussen, die Dietmar Beck von der gleichnamigen Fahrschule organisiert hat, zu einer humorigen Rundfahrt.
Bei der ersten Station treffen, ja prallen Welten aufeinander. Hier die Herren in Jackett, Mantel, teils mit Hut - da junge Hip-Hopper, die vermutlich im Leben nie etwas vom Feuerio gehört haben. Christian Sommer, Geschäftsführer der mg:mannheimer gründungszentren, heißt die Fasachter im Performanceraum des Musikparks in der Hafenstraße willkommen - mitten in einem Streetdancekurs von Gios Dance Academy. Inhaber Gionni Battista kann zwar gut tanzen, will aber nicht Prinz werden, ein junger Hip-Hopper nimmt gleich Reißaus, und Sommers Stellvertreter Steffen Baumann, als möglicher Kandidat auserkoren, steigt mit erkennbar gemischten Gefühlen in den Bus.
Weiter geht die Fahrt nach Viernheim, ins Industriegebiet hinter dem Odenwald-Quelle-Lager, zum Stahlbauunternehmen von Robert Wolk. Das hat viele Beziehungen zu Mannheim, 1983 wurden hier die Teile für die Kammerschleuse verschweißt. Stählerne Gefäße, in denen Flammen lodern, wärmen die Gäste - aber weder Juniorchef Gerrit Wolk noch dessen Sohn Timo Wolk noch Meister Kai Rhein können sich dafür erwärmen, Prinz zu werden, so überzeugend Feuerio-Kultusminister Stefan Hoock auch um sie wirbt. Also zurück nach Mannheim - zu Eichbaum. Man will zwar keinen "Leichten Typ" als Regenten, aber die Hoffnung wächst, dass man hier einen Prinzen findet. Im schön renovierten Eichbaum-Brauhaus singt Musiker Joachim Schäfer jedoch erst mal "Es gibt kein Bier auf Hawaii" - es dauert nämlich lange, bis er zur Melodie "Ein Prosit der Gemütlichkeit" wechseln kann. Weil sich die Suche so hinzieht, stimmt die Herrenrunde sogar die Feuerio-Hymne "Es brennt, es brennt" an, noch ehe der Prinz enttarnt ist.
Erst um 22.42 Uhr, nach allerlei Spielchen, richtet Marketingleiter Holger Vatter-Schönthal von Eichbaumchef Jochen Keilbach aus, dass das Unternehmen zu seinem 333-jährigen Bestehen Braumeister Marco Wasner für die Fasnacht freistellt. Marcos erste Worte gehen fast unter im lautstarken, anfeuernden Jubel der Herrenrunde, aber der ersten Reaktion von Stadtprinzessin Eva-Maria I. stimmen dann alle gerne zu: "Ich bin total überrascht", so die Lieblichkeit, "aber er ist mir auf Anhieb sympathisch!"