Das Prinzenfrühstück

Das Prinzenfrühstück des FEUERIO seit dem Jahr 1904, findet traditionell immer am Fasnachts-Sonntag vor dem Fasnachtszug statt. Es war in der Kampagne 1904, als man es im FEUERIO für notwendig erachtete die Teilnehmer und fasnachtlichen Gruppen beim FEUERIO- Fasnachtszug zu verpflegen. Denn der Fasnachtszug, den es schon seit 1898 gab, war schon damals sehr lange und zog zu jener Zeit mehrere Stunden lang durch nahezu alle Quadrate der Stadt. Also verköstigte man alle Teilnehmer, bei denen auch viele Soldaten, Unteroffiziere und Kapellen des Regiments 110 dabei waren, mithilfe der sogenannten  „Gulaschkanonen“ eben jenes Grenadier-Regiments, das in den Kasernen in der Neckarstadt seinen Standort hatte.

Und Brauereibesitzer Adolph Dingeldein, der mit seiner neu erweiterten Brauerei im Quadrat Q 4 residierte, lud die „gehobenen Kreise“, also den amtierenden Prinzen, den Präsidenten des FEUERIO, die Bürgermeister der Stadt, bekannte Unternehmer, die Herren Offiziere und weitere, ihm genehme Herren, zum Prinzenfrühstück in ein besonderes Separee in der Braustube ein. Hier gab es dann das, was die Brauerei – die keine Küche hatte - leisten konnte, nämlich alles aus einem Topf: Suppe, gekochtes Rindfleisch, gekochtes Gemüse. Und Sahnemeerrettich – und der war, am Vortag schon vorbereitet – versehentlich in einem nagelneuen Kühlhaus (Thermostate gab es noch nicht!) über Nacht eingefroren. So war er kreiert, der „geeiste Sahne-Meerrettich“ und ist es bis heute geblieben!

Jenes erste Prinzenfrühstück war – für Dingeldein – ein so großer Erfolg, dass er es Jahr für Jahr wiederholte und es zu einer Traditionsveranstaltung des FEUERIO machte. Und immer am selben Ort, nämlich in jenem Separee im Obergeschoss der Brauerei Habereckl in Q 4. Die Brauerei war im 2. Weltkrieg, wie die gesamte Innenstadt auch, den Bomben zum Opfer gefallen. Doch mit ihrem Wiederaufbau entstand auch wieder jenes Oberstübchen, und dort fand dann wieder neu jährlich das Prinzenfrühstück statt. Jetzt unter der Regie von Hans Dingeldein, Sohn des legendären Adolph, der seinerseits 1929 Prinz des FEUERIO gewesen war und nach dem Krieg zum Senatspräsidenten des FEUERIO avancierte. Und so wurde auch das Frühstück zu einer Veranstaltung des Senats. In jenen Jahren bis 1984 wurde das Frühstück zu einer derart hochkarätigen Veranstaltung, dass nur noch etwa 40 Gäste überhaupt zugelassen wurden, diese verdiente Feuerianer sein mussten, von Hans Dingeldein persönlich am Eingang kontrolliert wurden, ob sie auch geziemend gekleidet waren und vor allem – keine „falsche“ Kapp’ trugen. So wies er beispielsweise einem hochdekorierten und verdienten Präsidenten eines anderen renommierten Mannheimer Fasnachtsvereines die Tür, da a) nicht geladen und b) nicht würdig genug an diesem Frühstück teilnehmen  zu  dürfen.  Geladen  wurden  jetzt  neben  dem  Oberbürgermeister  zumindest  ein  Regierungspräsident  und selbstverständlich die Ministerpräsidenten der Länder Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz.

Und zu jener Zeit brillierte dann Präsident Dr. Franz Biedermann in geschliffenen Tischreden. Das Prinzenfrühstück wurde weitgerühmt und berühmt. Nach dem Tode von Hans Dingeldein ging alsbald auch die Brauerei Habereckl unter und so auch jenes Oberstübchen. Jetzt zog man ins Mannheimer Schloss um. Und – wir sind halt wer, im FEUERIO – natürlich in den Rittersaal!! Da kam zu jener Zeit keiner rein, der nicht zumindest Bundespräsident, ausländisches Staatoberhaupt, oder König oder Kaiser war!!

Nicht so der FEUERIO, schließlich hatte der ja seine ganz persönlichen Beziehungen nach oben, wie z.B. zu seinem Büttenredner, Ministerpräsident Lothar Späth. Im Rittersaal, im Trabantensaal und im Gartensaal, vier Jahre war man dort zu Gange. Bis, ja man muss es sagen, bis es uns dort stank! Im wahrsten Sinne des Wortes, denn das Schloss war immer maroder geworden, es wurde immer dreckiger und die Toiletten, die offen unter dem Gartensaal lagen, stanken derart, dass man sie selbst im Obergeschoss, im Rittersaal riechen musste. Ein neuer Umzug war angesagt und man wählte das Renomierlokal des Rosengarten, dass  „Savarin“. Und dies hatte einen ganz einfachen Grund: Schon im Schloss, das ja keine Küche hatte, hatte der Rosengarten jeweils das Traditionsessen geliefert. Und einen gewisser J. Mayer, Gastronom des Rosengarten, war inzwischen Senatspräsident des FEUERIO. Und wie dereinst zuerst Adolph und dann Senatspräsident Hans Dingeldein, durfte jetzt der amtierende Senatspräsident das Ganze bezahlen, eine durchaus nach zu vollziehende Begründung für den Umzug in jenes Etablissement. Jetzt begann ein gewisser Wandel, man erweiterte den Gästekreis, denn man hatte nun für bis zu 120 Gäste Platz. Auch im Savarin behielt das Prinzenfrühstück sein herausragendes Image, auch dort war es eine besondere Ehre dazu geladen zu sein. Und immer wieder, wie seit 1904, gab es Ochsenbrust und geeisten Sahnemeerrettich. Als J. Mayer 1995 in den Altersruhestand ging, war einmal wieder ein Umzug des Frühstücks angesagt. Und man wählte das Hotel Steigenberger, das ja schon seit 1924 einer der Hauptveranstaltungsorte des FEUERIO gewesen war. Und verblieb dort bis zum Jahr 2008.

Das Hotel ging in anderen Besitz über und fasnachtliche Veranstaltungen waren weniger gefragt. Und – ohne wenn und aber – man zog wieder ins Mannheimer Schloss. Das war ja zwischenzeitlich renoviert und wieder ansehnlich geworden und damit ja auch würdig das traditionelle, hoher Ehren werte Prinzenfrühstück des Grossen FEUERIO in seinen Mauern beherbergen zu dürfen. Heutzutage, im Jahr 106 des Prinzenfrühstücks, geht der einladende Senat des FEUERIO davon aus, dass auch die nächsten 100 Jahre das Prinzenfrühstück standesgemäß im Schloss Mannheim stattfinden wird.